Verbale Ausraster von Trudeau und Macron in der COVID19-Pandemie

Verbale Ausraster von Trudeau und Macron in der COVID19-Pandemie

10. Januar 2022

Dürfen CEOs, Top-Führungskräfte oder Premiers fluchen? Das ist die Frage seit Justin Trudeaus Aussage:

Wenn sich eine Bande Idioten entscheidet, wie die Ostgoten auf Ferienreise zu gehen, dann ist das extrem frustrierend, demoralisierend.“

Der kanadische Premierminister bezog seinen Satz auf eine Gruppe kanadischer Influencer. Diese hatten auf einem Party-Flug zu Silvester nach Mexiko getanzt, ohne sich um irgendwelche Corona-Maßnahmen zu scheren.

Auf einem mittlerweile viralen Video sieht man sie tanzen, Alkohol trinken oder E-Zigaretten rauchen. Alles ohne Masken.

Justin Trudeau erzürnt über „Ostgoten auf Ferienreise

Wer Trudeaus Gesicht bei seinem eher unorthodoxen Ostgoten-Vergleich betrachtet, merkt:
Ihm ist die Galle hochgekocht.

Damit folgt er lückenlos dem Ausraster des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Der schimpfte vor wenigen Tagen in einem Interview, er habe „große Lust, die Ungeimpften schwer zu nerven„. Dies sei seine Strategie „bis zum bitteren Ende„.
Ungeimpfte verhielten sich unverantwortlich. Sie seien keine Bürger mehr.

Für seine Tirade nutzte er das schwer übersetzbare Worte „emmerder„.
Über dieses derbe Vokabular gibt es mittlerweile gleich Dutzende von Übersetzungsversuche.

Wenn Sie mich fragen:

❓ Würde ich diese (derbe) Umgangssprache Klienten in meinen Medientrainings durchgehen lassen ❓
❓ Würde ich sie bitten, sich künftig bedeutend besser im Zaume zu halten ❓

… wären meine Antworten:

⏩ Ja! und Nein!

JA. DENN ich glaube, dass auch Premiers ebenso wie CEOs nur Menschen sind. Auch diese können einmal verbal die Contenance verlieren. Die Meinung des „Spiegel“ teile ich daher nicht.

Der „Spiegel“ hatte gestern geschrieben:

Zwei Anführer des Westens verlieren die Fassung, reden wie Straßenjungs (oder wie Ostgoten, wer weiß), weil nicht alle ihrer Coronapolitik folgen. Sie haben offenbar nicht mehr den kühlen Kopf, den es braucht, um Gesellschaften durch diese schweren Zeiten zu schleusen.“

UND

NEIN. DENN man würde beide Männer unterschätzen, wenn sie sich ihrer Provokation nicht bewusst gewesen wären. Zumindest im Falle von Emmanuel Macron ist mittlerweile klar, dass es sich um keine Entgleisung gehandelt hat, sondern um vorsätzliches Kalkül im Wahlkampf.

In Ausnahmesituationen mit der Presse hilft eben doch nur:

  • die Zuspitzung
  • das klare Sprachbild abseits von Corporate Jargon und Political Correctness
  • die emotional aufwühlende, ggfls. sogar spaltende Rhetorik.

Wenn Sie mich persönlich fragen, ob ich statt des harten Tobaks den Duktus der Silvesteransprache von Olaf Scholz präferiere, sage ich ehrlicherweise:

„Nein!“

Dieses enthält keinerlei parteipolitische Wertung. Es ist einfach nur die Perspektive eines Menschen, der seit zwei Jahrzehnten mit Leidenschaft Medientrainings gibt.

Wer „authentische Personenmarken“ erwartet, wünscht sich mehr als vom Teleprompter vorlesen.


Autorin: Susanne Mathony

Susanne Mathony
Susanne Mathony

Die Positionierung von Marken und Menschen sind meine Leidenschaft. Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebe ich mit strategischer Marketing- und Kommunikationsberatung, CEO-Positionierung, PR, Thought Leadership und Storytelling meine Berufung aus. Hinzugekommen ist 2014 die Social Media-Beratung mit dem Schwerpunkt Personal Branding und -Positioning von Vorständen und Teams auf LinkedIn. Meine Heimat ist Professional Services. Auf EMEA- und globaler Ebene arbeitete ich u.a. für Andersen Consulting (heute Accenture), Strategy &, Russell Reynolds Associates sowie AlixPartners. Als ausgebildete Journalistin und Politologin startete ich meine Karriere in einem Think Tank in Washington D.C..


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