EY prüft globalen Spin-off der Wirtschaftsprüfung

EY prüft globalen Spin-off der Wirtschaftsprüfung

30. Mai 2022

EY plant offensichtlich die Abspaltung seiner in die Kritik geratene Wirtschaftsprüfungssparte.

Diese Trennung vom margenstarken Beratungsarm wäre die größte Umstrukturierung eines Big Four-Players seit zwei Jahrzehnten.

Der Vorschlag, der von leitenden Senior Partnern und -Partnerinnen noch weiter ausgearbeitet wird, wäre der Versuch, pro-aktiv den Interessenkonflikten zwischen Beratung und Prüfung zu entgehen.

EY und die anderen drei großen Player – Deloitte, KPMG sowie PwC – wurden in der Vergangenheit immer wieder wegen ihrer vermeintlich mangelnden Unabhängigkeit bei der Prüfung von Unternehmensabschlüssen kritisiert, da sie auch Honorare für Strategieberatungs-, Rechts- sowie Steuerberatungsleistungen erhalten.

Quelle: Manager MagazinWirtschaftsprüfer EY prüft eigene Aufspaltung – manager magazin (manager-magazin.de)

Ein solch‘ freiwilliger Spin-off wäre eine 180 Grad-Wende von EY.
Ex-CEO Mark Weinberger hatte noch 2018 die Forderungen nach einer Aufspaltung der Big Four aus Sorge vor mangelndem Wettbewerb scharf kritisiert.

Pläne für Trennung der Wirtschaftsprüfer als Spin-Off vom Rest des Unternehmens

Diese neue Firma würde Experten in Bereichen wie Steuern behalten, um Unternehmensprüfungen zu unterstützen.

Ein solcher Prozess könne „viele Monate“ dauern. Es sei noch nicht sicher, dass es zu einer drastischen Umstrukturierung kommen werde, so ein Insider zur FT.
Diese räumte aber ein, dass die Änderungen von großer Bedeutung wären, wenn sie denn kämen. „Wir sind uns bewusst, dass dies den Berufsstand verändern wird.

EYs überraschender Schritt würde sicher von den Regulierungsbehörden genau unter die Lupe genommen und die Marktmitbewerber zwingen, ein ähnliches Vorgehen zu erwägen.

Spannende Frage: Würde EY Parthenon als Umbrella-Brand für den neuen Strategiebereich genutzt?

Als Marketer stellt sich mir natürlich die Frage: Gäbe es bei einer solchen Aufspaltung ein Re-Branding? Markentechnisch wäre es konsequent. Sowohl, um sich von Image-Problemen der Vergangenheit zu distanzieren als auch, um den Strategiebereich positionierungstechnisch weiter zu stärken. Denkbar wäre es etwa – rein hypothetisch, da es hierzu bislang keinerlei Aussagen oder Mediengerüchte gibt – die Marke EY Parthenon dafür einzusetzen.

Laut eigenen Angaben ist EY-Parthenon aktuell die fünftgrößte Strategieberatung weltweit. Im Geschäftsjahr 2021 erzielten rund 7.000 Berater weltweit ein Umsatzwachstum von 19,6 % .

Es böte sich also durchaus an, „Parthenon“ für den gesamten Non-Audit-Bereich in Betracht zu ziehen. Erst als „EY Parthenon“ für die ersten Transformationsjahre, auch um von der Markenmacht des Big Four-Players zu profitieren. Und später – nach einem entsprechenden Investment in die Markenbekanntheit – nur noch als Stand-alone-Brand.

Dieses würde auch dem Learning von PWC mit der Übernahme von Strategy& im April 2014 entsprechen. Den starken Markennamen hat man bestehen lassen.

Wenn ich an meine eigene Erfahrungen des Re-Branding von Booz Allen Hamilton zu Booz & Company und dann in der Startphase zu Strategy& zurückdenke, ist dieses eine hochspannende Phase.

Auch Reaktion auf das #newnormal für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften

Wie schreibt das Manager Magazin treffend: „Wachstumsraten und Gewinnmargen der immer stärker regulierten Prüfer können schon lange nicht mehr mit der Geschwindigkeit und den Margen mithalten, die von den Consultants vorgelegt werden.“

Dabei zitieren sie auch Prof. Dietmar Fink (WGMB): „Die Folgen des Wirecard-Skandals erschüttern die Prüfungs- und Beratungskonglomerate nachhaltig. Die Schwergewichte werden sich künftig noch viel genauer überlegen, welche Unternehmen sie prüfen und welche sie beraten wollen.“

M&A unter Professional Services-Playern sind nie trivial

Die genaue Struktur wird derzeit diskutiert. Jede Umstrukturierung würde eine Partnerabstimmung und eine breite Zustimmung der einzelnen nationalen Mitgliedsfirmen erfordern, die das globale Geschäft von EY bilden.

Merger wie De-Merger sind unter Professional Services-Playern nie trivial. Der Konsens zwischen den einzelnen Partnern, die die Unternehmen in jedem Land besitzen und leiten, muss hergestellt werden.


Autorin: Susanne Mathony

Susanne Mathony
Susanne Mathony

Die Positionierung von Marken und Menschen sind meine Leidenschaft. Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebe ich mit strategischer Marketing- und Kommunikationsberatung, CEO-Positionierung, PR, Thought Leadership und Storytelling meine Berufung aus. Hinzugekommen ist 2014 die Social Media-Beratung mit dem Schwerpunkt Personal Branding und -Positioning von Vorständen und Teams auf LinkedIn. Meine Heimat ist Professional Services. Auf EMEA- und globaler Ebene arbeitete ich u.a. für Andersen Consulting (heute Accenture), Strategy &, Russell Reynolds Associates sowie AlixPartners. Als ausgebildete Journalistin und Politologin startete ich meine Karriere in einem Think Tank in Washington D.C..