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Heldenreise: Was Berater von StrategyFrame lernen können
29. September 2025

Wäre Beratung eine Aktie, dann ein Momentum-Trade namens StrategyFrame
Dahinter steht die Düsseldorfer Strategieberatung von Christian Underwood.
Diese hat ihren klassischen Ansatz konsequent digitalisiert und in eine KI-gestützte Plattform verwandelt. Wenige Tage nach der ersten großen Handelsblatt-Story „Das neue Gründer-Ideal des Silicon Valley“ Ende Juli schnellten die Anfragen auf über 1.200. Mehr als 100 neue Klienten unterschrieben.
Der geplante Jahresumsatz von fünf Millionen Euro war bereits im Sommer gesichert.
Nur Wochen später folgte der zweite Handelsblatt-Artikel – diesmal im David-vs.-Goliath-Stil:
„Der Mann, der McKinsey herausfordert.“
Zwei große Platzierungen, zwei Perspektiven – und ein Gründer, der plötzlich nationale Sichtbarkeit erreichte.
Für mich als Marketer ist StrategyFrame ein Paradebeispiel:
Nicht Größe allein entscheidet über Relevanz, sondern die Kraft des Narrativs und ein orchestrierter Kommunikationsmix.
Vom Fast-Aus zur Heldenreise
Jede starke Geschichte braucht Fallhöhe. Bei Underwood war es die Pandemie. Sie brachte sein Beratungsbusiness fast zum Erliegen. Aufträge brachen weg. Er musste sich von zahlreichen Mitarbeitern trennen.
Aus dieser Krise heraus traf er drei radikale Entscheidungen:
- Productising seines Business; also Beratung als Plattform
- Digitalisierung der Prozesse
- 100 % Vorkasse – maximale Transparenz und Liquidität.
Rückkehr mit Elixier
Heute ist StrategyFrame, so das Handelsblatt, hoch erfolgreich und hat große Wachstumsambitionen. Mit der KI als „Elixier“ wurde Underwood selbst zur Figur einer modernen Heldenreise: Absturz, Transformation, Rückkehr.
Dieses Muster ist kein Marketing-Buzzword, sondern ein dramaturgisches Prinzip; Erstmals 1949 beschrieben von Joseph Campbell in „The Hero with a Thousand Faces“.
Meine eigene Business-Storytelling-Ausbildung 2022 zeigte mir:
Dieses Muster funktioniert auch bei Beratungs- und Wirtschaftsgesellschaften.
Kommunikationsmix mit Schlagkraft: von Leitmedien über Podcast bis LinkedIn
Was StrategyFrame von anderen Beratungsboutiquen unterscheidet, ist nicht nur das Geschäftsmodell. Es ist auch die Art, wie diese erzählt wird. Die Schlagkraft liegt im orchestrierten Zusammenspiel der Kommunikationskanäle.
Leitmedien als Glaubwürdigkeits-Turbo
Die Handelsblatt-Berichterstattung war der Katalysator. Zunächst das Silicon-Valley-Narrativ der „tiny company mit Milliarden-Potential“. Dann die Zuspitzung zum Herausforderer von McKinsey. Diese David-vs-Goliath-Dramaturgie macht aus einer unternehmerischen Episode eine Geschichte mit nationaler Relevanz.
Strategische PR – also Earned Media – wirkt hier als Verstärker. Wem die breite Platzierung in einem Leitmedium gelingt, der überspringt die Stufe „Selbstaussage“. Er gewinnt Glaubwürdigkeit, die so kein eigener Marketing-Kanal leisten kann.
Dazu kommt der Resonanz-Effekt: Eine große Story bleibt selten allein. Sie erzeugt Follow-up-Sog.
Podcast: Underwoods intellektueller Resonanzraum mit Sales-Impact
Underwood verlässt sich nicht allein auf PR. Mit seinem Podcast „Hoffnung ist keine Strategie“ besitzt er ein Owned-Format.
Die Wahl der Gäste ist smart. Mit Frank Dopheide – Autor, Unternehmer und Gründer der Agentur human unlimited – diskutiert er über Kreativität und Sinn in der strategischen Unternehmensführung.
Mit der Beraterlegende Hermann Simon spricht er über die Essenz aus 50 Jahren Erfahrung – und erklärt, was Führung, Zeit und Mut heute für Strategiearbeit bedeuten. Seine Gäste mit eigener starker Personal Brand verleihen dem Format Tiefe. Jeder Gast bringt seine Community mit. Zugleich positioniert sich Underwood als Gastgeber einer Debatte, die über das eigene Geschäftsmodell hinausreicht.
Auch für den Podcast gilt der Heldenreise-Effekt: Er ist nicht neu, sondern wurde erfolgreich reaktiviert.
LinkedIn – wo Underwood noch weiter skalieren kann
Bleibt der dritte Baustein. Auf LinkedIn ist Underwood mit knapp 6.600 Followers – noch – kein dominanter Akteur. Doch er bringt alle Voraussetzungen mit. Seine Markentonalität ist wohltuend leise, seine Themen – Demokratisierung von Beratung, Empathie statt bloßer Analyse, KI als Strukturwandler – sind anschlussfähig.
Was sich noch optimieren ließe, ist die systematische Skalierung: Clips aus den Podcast-Folgen, visuelle Zitate von Gästen, kommentierte PR-Coverage.
Was Top-Consultants für sich adaptieren können
1. Narrative Klarheit schlägt Headcount
Leitmedien wie das Handelsblatt oder die FAZ interessieren sich nicht für Organigramme, sondern für klare Spannungen. Underwoods Story hat Fallhöhe, Entscheidungen und Wirkung. Mehr braucht es nicht, um durchzudringen.
2. Orchestrierung statt Aktionismus
Die Orchestrierung ist klar: Earned Media für Reichweite, Owned Media für Tiefe, Social Media für Konversion und Community. Wer diese Triangulation beherrscht, baut kein Strohfeuer, sondern ein erfolgreiches Kommunikationssystem.
3. GenAI als Hebel in der Kommunikation
So wie Underwood KI zum Kern seines Geschäftsmodells gemacht hat, lässt sich KI auch in der Kommunikation einsetzen. Eine aktuelle BCG-Studie zeigt: Bereits heute können 26 bis 36 % der Tätigkeiten in Kommunikationsfunktionen durch generative KI effizienter werden. Mit einem strategischen Redesign der Prozesse steigt dieses Potenzial sogar auf 47 %.
Gerade für kleine und mittlere Consultants ohne große Stabsstellen im Bereich Marketing & Communications ist das ein enormer Hebel: mehr Output bei weniger Ressourcen – und eine Chance, im Wettbewerb mit den Großen mitzuhalten.
Die Heldenreise als erfolgreiche Kommunikationsstrategie
Was viele Beratungen noch unterschätzen: Man braucht nicht zwingend 500 Seniorpartner und dreistellige Millionenumsätze, um im Markt Aufmerksamkeit zu erzielen. Erfolgsentscheidend ist eine Geschichte, die sich als Heldenreise erzählen lässt, und ein intelligent verzahnter Kommunikationsmix.
Vielleicht ist das die wahre Pointe:
Sichtbar werden nicht nur die Größten und Lautesten, sondern auch die Mutigen, die ihre Brüche erzählen. Wer diese Narrative nicht orchestriert, bleibt brillant im Projekt – aber unsichtbar im Markt.
Sie sind eine Beratung oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und möchten sich noch erfolgreicher positionieren? Lesen Sie hier, wie wir Sie unterstützen können:
Markenpositionierung von Beratungsunternehmen: End-to-end
Autorin: Susanne Mathony

Die Positionierung von Marken und Menschen sind meine Leidenschaft. Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebe ich mit CEO-Positionierung, strategischer Marketing- und Kommunikationsberatung, PR und Business Storytelling meine Berufung aus.
Hinzugekommen ist 2014 die Social Media-Beratung. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem #SocialCEO sowie dem Personal Branding und -Positioning von Vorständen und Teams auf LinkedIn.Meine Heimat ist Professional Services. Auf GSA- und EMEA-Ebene arbeitete ich u.a. für AlixPartners, Andersen Consulting (heute Accenture), Strategy& sowie Russell Reynolds Associates.
Als Politologin und ausgebildete Journalistin startete ich meine Karriere in einem Think Tank in Washington D.C..
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