Kamala Harris: Der Mediensturm um ihr lässiges VOGUE-Cover

12. Januar 2021

Kommentar von Barbara Markert, Partnerin Mathony Brand Strategists

Kamala Harris hat auf dem aktuellen Februar-Cover der US-Vogue einen wahren Mediensturm entfacht:
disrespectful‚, ‘amateurhaft und ‘anti-black’.

Die Darstellung der Vice President-elect spaltet die Gemüter, ihr Outfit ebenso. Ihr Teint wäre zu hell dargestellt worden, die Vogue hätte nicht das von Harris selbst gewählte Cover im hellblauen Michel-Kors-Anzug für die Print-Version verwendet, das Outfit mit Jeans und Converse würde nicht ihrer Rolle gerecht werden.

Die Süddeutsche schreibt gar: „Angemessen ist das nicht„.
Der SPIEGEL fragt:

Mal abgesehen dass auch mir das – leider nur online gezeigte – Cover im hellen Anzug besser gefällt, muss man anerkennen:
Die Vogue hat einiges richtig gemacht!
Sie hat mit Tyler Mitchell, dem upcoming Fotografen-Star aus Brooklyn, einen African-American engagiert, um Kamala Harris zu portraitieren. Das ist schon mal ein guter Zug. Die US-Vogue hat auch nicht tief in die Kleiderkiste gegriffen und die Vice President-elect in ein Haute-Couture-Kleid gesteckt oder soll man sagen ‚verkleidet‘, sondern ihr die Chance gegeben, sie selbst zu bleiben.

The styling choices were her own“, schreibt die Vogue. Bilder während der Wahlkampagne beweisen, dass Kamala Harris gerne Sneakers trägt und dunkle Farben bevorzugt.

Quelle: https://twitter.com/kamalaharris/status/1325126733482385409

Ihr Wahlkampfslogan „for the people“ wurde sogar als Headline von der Vogue auf dem Cover aufgegriffen: „By the people, for the people.“ Bitte, welches andere Outfit würde besser die aktuelle Alltagsmode der normalen Bevölkerung im Pandemiejahr präsentieren als Jeans und Sneakers?!

Hat Kamala Harris bei ihrem so ‚volksnahen‘ Styling also alles richtig gemacht?

Oder hätte man die künftige Vize-Präsidentin der USA besser an die Hand nehmen müssen? Ihr im Vorfeld abraten sollen, mit Chucks und Jeans zum Vogue-Shooting zu kommen? Oder ist es nicht gerade sympathisch, dass sich Kamala Harris selbst so ‚casual‘ und damit volksnah präsentiert?

Oder anders gefragt:

Sind wir, die Leser, bereit, eine angehende Vizepräsidentin auf dem Cover der Vogue – der Inkarnation eines Luxusmediums – in Jeans und Converse zu akzeptieren?


Hat die COVID19-Krise in der Gesellschaft eine Nostalgie nach einer besseren, luxuriöseren Zeit ausgelöst, der wir nachtrauern, oder sollten wir nicht die herausfordernde Realität zu akzeptieren lernen? Zeigt uns Kamala Harris mit ihrer Outfit-Wahl, dass sie selbst hier schon weiter ist, beziehungsweise die Zeichen der Zeit erkannt hat?

Die Antwort liegt wohl irgendwo dazwischen. Aber die Diskussion allein beweist, wie bedeutungsvoll Mode sein kann, und wie sehr von ihr Botschaften ausgehen können. Die Wahl des richtigen Stylings ist deshalb im Beruf nicht zu vernachlässigen.

Einige Informationen zu mir:

Seit rund 25 Jahren berichte ich über Mode – als Wirtschaftsjournalistin für die Publikums- und Fachpresse wie auch als Content-Creatorin für Mode- und Accessoires-Brands. In meinem Leben habe ich rund 5000 Modeschauen auf den internationalen Fashionweeks besucht. Als Wahl-Pariserin sitze ich an der Quelle der Trends und präsentiere diese Branche mit Leidenschaft und wirksamem Storytelling.
Ich weiß um die aktuellen Topthemen und Herausforderungen dieser Industrie, wie Digitalisierung, Diversity & Inclusion, Gen-Z-Ansprache oder Nachhaltigkeit. Seit Jahren setze ich mich für einen bewussteren und besseren Modekonsum ein.

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