LinkedIn ist Cat Content, PR ist Beiwerk: Zwei Sätze, die Beratungen teuer zu stehen kommen

Die #BeraterBeraterin

LinkedIn ist Cat Content, PR ist Beiwerk: Zwei Sätze, die Beratungen teuer zu stehen kommen

3. September 2026


Nicht der Bessere gewinnt den nächsten Pitch, sondern der besser Belegte

Will ein Klient, die Einkaufsabteilung eines DAX-Konzerns oder die Consulting-Journalistin vom Handelsblatt wissen, wofür Ihre Beratung steht, beginnt die Prüfung nicht mehr auf Ihrer Website. Auch nicht im ersten Gespräch. Sie beginnt mit einer KI-Suche.

Die KI-Antwort speist sich aus genau den Quellen, die viele Beratungen gerade ausdünnen:
Leitmedien, zitierfähige Fachbeiträge und die öffentlichen LinkedIn-Profile des Partnerteams.

Trotzdem höre ich in erstaunlich vielen Häusern zwei Sätze. „LinkedIn? Cat Content. Das überlasse ich dem Werkstudenten.“ Und: „Das PR-Budget kürzen wir zugunsten unseres internen KI-Umbaus.“

Zwei Sparbeschlüsse, ein Denkfehler

Beide Sätze klingen auf den ersten Blick vernünftig. Beide sparen kurzfristig Geld. Aber sie beruhen auf demselben Denkfehler: Reputation sei etwas, das man bei Bedarf aktivieren könne.

Das war schon früher nur begrenzt richtig. Jetzt wird es teuer. Denn die erste Prüfung Ihrer Reputation findet zunehmend statt, bevor Ihnen jemand gegenübersitzt: in der Suchmaske, in einer KI-Antwort, in der Quellenlage.

Pitches beginnen heute nicht erst im Raum. Sie beginnen mit der Frage, die jemand über Sie stellt, bevor Sie überhaupt den Raum betreten.

Prüfen Sie daher, was KI und Markt über Ihr Partnerteam sagen:
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Der LinkedIn-Feed ist nicht die Funktion

Zur Ehrenrettung des Arguments „zu viel Cat Content“: Der LinkedIn-Feed ist oft schwer erträglich. Das Konferenz-Selfie. Die Flughafen-Erkenntnis um 6:40 Uhr. Das obligatorische „demütig und stolz zugleich“. Ich verstehe jeden Consultant, der sich davon fernhält.

Nur ist der Feed nicht das strategisch Entscheidende. Entscheidend ist das öffentliche, laufend aktualisierte und von Ihnen selbst kontrollierte Archiv Ihrer fachlichen Spur. Es zeigt, wofür Sie stehen, ob Sie eine erkennbare Haltung haben, ob Ihre Expertise aktuell ist und ob relevante Dritte darauf reagieren.

Nicht jeder Post ist reputationsrelevant. Konsequente fachliche Positionierung ist es.

Die KI zitiert LinkedIn häufiger als jedes einzelne Nachrichtenmedium

Eine Semrush-Analyse von 325.000 Prompts über ChatGPT Search, Google AI Mode und Perplexity identifizierte 89.000 zitierte LinkedIn-URLs. In dieser Stichprobe gehörte LinkedIn zu den meistzitierten Domains und erschien im Schnitt in 11% aller KI-Antworten; in ChatGPT Search waren es 14,3%.

Das ist keine Werbung für LinkedIn. Es ist eine Auskunft darüber, welche öffentlichen Spuren für Maschinen gut erschließbar sind: strukturiert, datiert, einer Person zugeordnet und für Dritte zugänglich.

Ein Beispiel: Die Restrukturierung, mit der Sie 2024 ein Industrieunternehmen vor der Insolvenz bewahrt haben, existiert für ein Sprachmodell nicht, solange sie keine öffentliche Form hat. Sie kann beeindruckend gewesen sein. Sie ist trotzdem keine Evidenz, aus der ein LLM Ihre Positionierung ableiten kann. Dasselbe gilt für Ihre Analyse, warum KI das Consulting-Modell eben nicht einfach disruptiert. Besprechen Sie diese ausschließlich im Partnerkreis, bleibt sie dort und nur dort.

Zitiert wird das Individuum, nicht die abstrakte Corporate-Seite

Der eigentliche Sprengstoff für Consultants steckt im Detail derselben Analyse: ChatGPT Search und Google AI Mode zitieren in 59 Prozent der Fälle individuelle Profile statt Unternehmensseiten. Am häufigsten zitiert werden erklärende Fachbeiträge, nicht gefällige Reichweitenposts über den Sommerurlaub.

Damit fällt das beliebteste Gegenargument aus vielen Partnerteams zusammen: „Das macht unsere Kommunikationsabteilung über unseren Corporate-Account.“
Leider nein.

Das trifft die Kernlogik unseres Geschäfts. Beratung wird über Köpfe verkauft. Wenn Maschinen bevorzugt die öffentlichen fachlichen Spuren von Köpfen finden und zitieren, ist die Sichtbarkeit einzelner Berater keine Privatangelegenheit mehr. Sie ist Teil der Beweislage des Hauses.

Wer in den Leitmedien fehlt, fehlt auch in der KI

Die zweite Hälfte trifft alle, die den Rotstift bei der PR ansetzen. Die entsprechenden Budgets zu kürzen, während die Recherche auf KI umstellt, ist, als würden Sie Ihre Referenzliste einstampfen, bevor die nächste Einkaufsabteilung danach fragt.

Muck Rack hat im Mai 2026 in der Studie „What Is AI Reading?“ über 25 Millionen Links aus Antworten von ChatGPT, Claude und Gemini ausgewertet. 84 Prozent aller Citations entfielen auf Earned Media,
27 Prozent auf journalistische Quellen
, 0,3 Prozent auf bezahlte oder Advertorial-artige Inhalte. Über drei Erhebungen seit Juli 2025 liegt der Earned-Media-Anteil stabil zwischen 82 und 89 Prozent.

KI ersetzt journalistische Validierung nicht. Sie ist auf sie angewiesen

Nicht jede Platzierung in der Presse erzeugt automatisch Wirkung. Aber unabhängige, zitierfähige Drittvalidierung lässt sich nicht durch Paid Content, reine SEO-Mechanik oder eine sauberere Website ersetzen.

Wie ernst die Plattformen das nehmen, zeigt ihre eigene Messtechnik. Microsoft hat im Juni 2026 in den Bing Webmaster Tools „Citation Share“ eingeführt: eine Kennzahl dafür, welchen Anteil der Quellenplätze eine Website bei einer konkreten KI-Anfrage erhält. Das ist ausdrücklich kein Ranking. Zuvor hatte Google eigene Berichte für generative KI lanciert. Wenn zwei Suchkonzerne Citations als eigene Größe ausweisen, ist die Debatte, ob KI-Sichtbarkeit ein Thema ist, beendet.

Gestrichen wird die Thought Leadership-Studie. Verlängert wird die SEO-Kampagne

Genau das erlebe ich derzeit in Häusern, in denen zu viele Kolleginnen und Kollegen „on the beach“ sind. Das Kommunikationsbudget ist häufig die erste Verhandlungsmasse, wenn die Marge in Q2 nicht rosig aussah, und der Outlook für Q3 wackelt.

Die Thought Leadership-Studie, die Redaktionen breit aufgegriffen hätten, fällt aus. Das Hintergrundgespräch wird verschoben. Die starke, fachliche Perspektive eines Partners erscheint nie außerhalb der eigenen Website. Aber die SEO-Kampagne läuft weiter. Also ausgerechnet die Kategorie, die in KI-Antworten nur 0,3 Prozent der Zitate ausmacht.

Das ist keine Sparmaßnahme, sondern eine (folgenreiche) Entscheidung darüber, mit welchem Material die KI künftig über Ihr Beratungshaus spricht. Wer heute nicht in den Leitmedien und der relevanten Fachpresse vorkommt, verhandelt seine Position in achtzehn Monaten aus einer Quellenlage, die er selbst leergeräumt hat.

Findet die KI keinen roten Faden, halluziniert sie

Die unbequeme Konsequenz ist keine Content-Frage, sondern eine Frage der Organisation.

In den meisten Beratungshäusern liegen PR, Website und LinkedIn in drei Zuständigkeiten, mit drei Taktungen und drei Wahrheiten. Die Website sagt: Transformation. Die Pressemitteilung: neuer Partner an Bord. Der Partner selbst: KI und Restrukturierung. Jede dieser Aussagen kann für sich richtig sein. Zusammen beantworten sie die Frage nicht, die ein potenzieller Klient tatsächlich stellt:

Wofür sind dieses Haus und dieses Partnerteam bei meinem konkreten Problem glaubwürdig?

An genau diesen Widersprüchen bleibt die Recherche von LLMs hängen. Ergeben die Quellen keinen roten Faden, entsteht nicht einfach eine Lücke. Es entsteht eine Einordnung, die Sie nicht mehr kontrollieren.

Was die KI dann selbst konstruiert oder im Zweifelsfall halluziniert, ist nicht immer schmeichelhaft

Ein Senior Partner ohne öffentliche fachliche Spur überlässt die Antwort auf „Wer ist in Deutschland glaubwürdig für Carve-outs im Maschinenbau?“ seinem Arbeitgeber, einem sieben Jahre alten Interview oder dem sichtbareren Wettbewerber. Ein Lateral Hire, der auf drei Plattformen drei Geschichten erzählt, kostet Glaubwürdigkeit, bevor er überhaupt das erste Mandat gewinnen kann. Und ein Studien-Launch nur via Website und Hubspot-Mailing erzeugt neugierige Klicks von Wettbewerbern, aber keine Zitierfähigkeit.

Die Prüfinstanz der KI ist immun gegen Ihren Intellekt und Ihren Charme

Früher wurde die Reputation eines Partners im vertraulichen Netzwerk verhandelt: im Beirat, beim Abendessen. Diese Gespräche gibt es weiterhin. Sie sind nur nicht mehr der erste Ort, an dem über Sie gesprochen wird.

Wenn ich eines in 30 Jahren Positionierungsarbeit gelernt habe, dann: Reputation entsteht dort, wo jemand nachprüfen kann, was Sie behaupten. Diese Prüfinstanz ist schneller geworden, wörtlicher und vollkommen immun gegen Ihren Intellekt und Ihren Charme.

Damit verschiebt sich die Kennzahl. Nicht Follower. Nicht Likes. Nicht Ranking.
Entscheidend ist, ob und wie Ihr Haus und Ihre Partner in KI-Antworten vorkommen. Leitmedien liefern die externe Validierung, LinkedIn die aktuelle fachliche Evidenz. Beides gehört in ein Budget, nicht in zwei.

Der Quick-Check kostet Sie nur einen Nachmittag

Ich empfehle Partnerteams einen Quick-Check. Zehn typische Mandatsfragen, drei KI-Systeme, die relevanten Partnernamen, dann eine nüchterne Auswertung der Quellen, Widersprüche und Leerstellen. Das Ergebnis ist selten ein PR-Problem und selten ein LinkedIn-Problem. Es ist fast immer ein Positionierungsproblem, das öffentlich sichtbar geworden ist.

Was daraus folgt, so meine Beobachtung aus der Mandatsarbeit: Wer auf beiden Feldern fehlt, verliert keinen Pitch. Er wird gar nicht erst eingeladen. Auf der Longlist stehen die Häuser, die für das relevante Problem sichtbar und belegbar sind.

Nicht der Bessere gewinnt den Pitch. Sondern der besser Belegte.

Meine Frage an die, die ihr PR-Budget kürzen und LinkedIn den Juniors überlassen

Wenn morgen ein potenzieller Klient die KI fragt, wofür Ihre Beratung fachlich steht: Welche drei Belege soll er finden? Und stimmen diese Belege inhaltlich überein, für das Haus, für die relevante Practice und für die Partner, die das Mandat gewinnen sollen?


Autorin: Susanne Mathony

Susanne Mathony

Die Positionierung von Marken und Menschen sind meine Leidenschaft. Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebe ich mit CEO-Positionierung, strategischer Marketing- und Kommunikationsberatung, PR und Business Storytelling meine Berufung aus.
Hinzugekommen ist 2014 die Social Media-Beratung. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem #SocialCEO sowie dem Personal Branding und -Positioning von Vorständen und Teams auf LinkedIn.Meine Heimat ist Professional Services. Auf GSA- und EMEA-Ebene arbeitete ich u.a. für AlixPartners, Andersen Consulting (heute Accenture), Strategy& sowie Russell Reynolds Associates.
Als Politologin und ausgebildete Journalistin startete ich meine Karriere in einem Think Tank in Washington D.C..


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