Foto: Young-Ah KIM/ Young-Ah Kim für Louise Wittlich

SPIEGEL.de: 5. August 2020

Make-up für den Job „Glitzer ist oft generell verboten“

Viele Firmen haben nicht nur einen Dresscode, sondern auch Vorgaben für Make-up. Louise Wittlich zeigt Frauen, wie ein Corporate Look aussieht – und erklärt, wieso sie Grundsatzdebatten über Schminke nerven.

SPIEGEL: Was bitte ist Corporate Make-up?

Louise Wittlich: Es geht darum, im Berufsleben den optischen Eindruck bewusst zu gestalten, den man auf andere macht. Vor allem in Deutschland haben viele Frauen Angst davor, diesem Aspekt zu viel Beachtung zu schenken: Die Diskussion über Make-up im Job, was gut aussieht und was eher nicht, gleitet oft sofort in eine Debatte über Sexismus ab. Aber nur weil man Lippenstift trägt, heißt das ja nicht, dass man keinen Intellekt hat! Ich lebe seit 30 Jahren in Paris. Französische Frauen übrigens spielen gern diesen Trumpf der Weiblichkeit aus, die haben überhaupt kein Problem damit. Es ist echt interessant, was für Gefühlswallungen ein Lippenstift auslösen kann.

SPIEGEL: Sie geben Kurse für Angestellte. Sollen Arbeitgeber jetzt auch noch das Make-up vorschreiben?

Wittlich: Ich arbeite mit Kunden aus der Luxusbranche: Die Hotelkette Hyatt, die Modemarke Balenciaga, dem Juwelier Tiffany. Für die Firmen sind ihre Leute nun mal das Aushängeschild. Natürlich wollen solche Marken, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stimmig in den jeweiligen Kontext passen. 

SPIEGEL: Was heißt das konkret?

Wittlich: Es gibt dann beispielsweise die Regel, dass das Make-up natürlich aussehen soll – aber nirgendwo ist klar definiert, was damit gemeint ist. Außer vielleicht, dass Glitzer generell verboten ist. Ich bekomme als Vorgabe nur: Es soll dezent und natürlich aussehen und nach Möglichkeit den ganzen Tag halten. Ich erstelle dann Tutorials und zeige den Frauen, wie so etwas aussehen kann – und wie gut es aussieht. In den sogenannten Lookbüchern finden sich dann auch schwarze Frauen, weiße und asiatische – natürlich ist der Look dem jeweiligen Typ angepasst, aber halt immer dezent.

SPIEGEL: Ist es nicht doch sexistisch, nur den Frauen vorzuschreiben, was sie dabei zu tun und zu lassen haben?

Wittlich: Für Männer gibt es doch auch Grooming Guides in den Unternehmen, die exakt festlegen, was etwa beim Bart geht oder nicht und wie die Hände aussehen sollten. Wir sind als Menschen alle empfänglich für optische Eindrücke. Selbst wenn wir wollen, können wir uns dem nicht verschließen. Also sollten wir diesen optischen Eindruck bewusst gestalten – Männer wie Frauen. Das ist nicht unprofessionell, ganz im Gegenteil.

SPIEGEL: Gibt es regionale Unterschiede?

Wittlich: In Europa ist der Haupttrend, dass Make-up am besten gar nicht nach Make-up aussieht. Etwas Frische zaubern und den Teint ausgleichen, fast ohne geschminkt auszusehen. In Japan ist das anders. Da wird Make-up fast wie eine Art Kleidungsstück empfunden, ohne das Frauen sich nackt fühlen. Da geht es nicht darum, Mängel zu verbergen, sondern zwischen sich und die Welt eine Schicht als Schutzschild zu legen. Und es wird von allen Frauen erwartet, dass sie Make-up tragen.

SPIEGEL: Es gibt ja auch Berufe, in denen man weniger direkten Kontakt hat.

Wittlich: Ich gebe derzeit einen Kurs in einer Business School: Die Schülerinnen wollten wissen, wie ein gutes Make-up für Zoom oder Skype aussieht. Denn im Moment werden ja viele Einstellungsgespräche über Video geführt. Die wollen sich gut präsentieren.

SPIEGEL: Und? Was sind Ihre besten Tipps?

Wittlich: Erstens: Legen Sie ein weißes Blatt Papier vor sich auf den Tisch, am besten schräg über die Tastatur. Das gibt einen Aufheller von unten, der ganz natürlich die Schatten in Ihrem Gesicht mildert. Mit dem Teint muss man nicht viel machen, weil durch die niedrige Kameraauflösung viele Hautprobleme gar nicht sichtbar sind. Aber tun Sie etwas, um die Augen zu öffnen – benutzen Sie eine Wimpernzange, das lässt den Blick strahlen, und vielleicht ein bisschen Wimperntusche.

SPIEGEL: Und die Männer?

Wittlich: Die haben oft ein Problem mit glänzender Haut. Puder wirkt leicht künstlich, besser ist ein mattierendes Gel, das völlig unsichtbar ist, aber den Glanz nimmt – vor allem Männer mit Glatzen sehen damit einfach besser aus.

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