Die #BeraterBeraterin
McKinsey zeigt, wie Deutschland wieder den Bach raufgeht
8. Oktober 2024

Kanzler Scholz hat dem Handelsblatt einen Korb gegeben.
Dabei ging es lediglich um einen Debattenbeitrag zu Bestandsaufnahme âWie geht es Dir, Deutschland?â. Doch statt diese Chance zu nutzen, schweigt Kanzler Scholz.
Da frage ich mich: Warum schrieb sein PR-Team kein klares, knackiges Statement?
Nun diskutieren andere Gastautoren wie etwa sein Herausforderer Friedrich Merz die Frage:
âGerman Angstâ oder âGerman Mutâ?
FĂŒr „German Mut“ votierte das Manager Magazin.
Dessen Sommerserie âWarum Deutschland den Bach raufgehtâ ist ein gelungener Gegenentwurf zu Doomsday.
Sie zeigt eindrucksvoll:
Starke Narrative können den verbreiteten Pessimismus durchbrechen.
Anstatt sich in Untergangsszenarien zu verlieren, beschreiben CEOs und Unternehmer, wie sich das Potential Deutschlands durch Innovation und Mut wieder freisetzen lÀsst.
Einen Ă€hnlichen Ansatz verfolgt nun die Ende September veröffentlichte McKinsey-Studie âWachstumswende Deutschlandâ.
McKinsey warnt: Die Dringlichkeit ist klar, doch die Umsetzung stockt
Laut der aktuellen McKinsey-Studie sind sich 84 % der CxOs einig:
Die Herausforderungen des Wirtschaftsstandorts sind zwar erkannt, doch es mangelt an entschlossenem Handeln.
Zu wenige MaĂnahmen wurden bisher ergriffen. Zu oft fehlt es an der nötigen Dringlichkeit in der Umsetzung.
15 % der CxOs kritisieren: Die bisherigen AnsĂ€tze waren zu wenig effektiv. Nur 2 % glauben, dass die Erneuerung der deutschen Wirtschaft auf einem guten Weg ist und in den nĂ€chsten zwei Jahren spĂŒrbare Ergebnisse liefert.
âGerman Mutâ? Fehlanzeige!
Stattdessen triggert die âGerman Angstâ. Doch die HĂŒrden sind nicht nur ökonomischer oder technologischer Natur. Es braucht einen fundamentalen Wandel im Denken â einen tektonischen Mindshift.
Unternehmen verharren abwarten-defensiv, obwohl das Bewusstsein fĂŒr die Notwendigkeit des Wandels lĂ€ngst vorhanden ist.
Dabei wĂ€re das Potenzial enorm: Ein flexibles und innovatives Deutschland könnte sein BIP um jĂ€hrlich 5-6 % steigern â eine Verdopplung bis 2035.
Shift und Lift: Strategien, die Deutschlands Position im globalen Wettbewerb neu justieren
McKinsey identifiziert zwei wesentliche AnsÀtze, um die deutsche Wirtschaft zu erneuern:
Shift und Lift.
Shift bezieht sich auf die Verlagerung des Fokus hin zu dynamischen Zukunftssektoren wie Medizintechnik, Batterietechnologie und neue Materialien. Diese Branchen versprechen hohe Wachstumsraten und bieten die Möglichkeit, Deutschland im globalen Wettbewerb neu zu justieren.
Lift hingegen zielt darauf ab, die ProduktivitÀt der bestehenden Wirtschaft durch Digitalisierung, Automatisierung und operative Exzellenz zu steigern.
Besonders dringlich ist dies, da Deutschland in der ProduktivitĂ€t rund 30 % hinter den fĂŒhrenden europĂ€ischen Volkswirtschaften und den USA zurĂŒckliegt. Die Shift-Lift-Kombi könnte diese LĂŒcke deutlich verringern.
Mind your mindset: Warum Wachstum im Kopf beginnt
Wer die Studienempfehlungen liest, erkennt klare Parallelen zu meinen Kolumnen
âMind your mindset: Warum Consultants an ihrer ZukunftserzĂ€hlung arbeiten solltenâ (Oktober 2023) und
âDoomsday-Rhetorik adĂ©: Warum es jetzt Klartext brauchtâ (Januar 2024).
64 % der CxOs benennen ein klares Zielbild, ein Narrativ und die richtige MentalitÀt als zweitwichtigsten Hebel, um die Erneuerung der deutschen Wirtschaft zu beschleunigen.
Eine solche Wachstumswende verlangt starke, mutige Visionen. Sonst bleibt jede Strategie wirkungslos. Erst das Umparken im Kopf â weg von Doomsday, hin zu einer positiven ZukunftserzĂ€hlung â macht den Unterschied.
Die Message von McKinsey lautet âMind your mindset!â
âDamit die Wachstumswende gelingt, muss sich nicht zuletzt in den Köpfen etwas Ă€ndern:
Weniger âJa, aber âŠâ und mehr âWarum nicht?â
Weniger âDas wird nie was!â und mehr âWas brauchen wir, damit es klappt?â
Weniger âOhne mich.â und mehr âIch bin dabei.ââ
Berater als Mutmacher: Mehr als die klassischen Problemlöser
Berater leisten weit mehr als das Entwickeln von Strategien und Lösen von Problemen. Um die Wachstumswende voranzutreiben, sollten sie auch als Mutmacher auftreten â und ihre Klienten dazu befĂ€higen, sich in die ungewisse, aber potenzialreiche Zukunft zu wagen.
In der Polykrise genĂŒgt das x-te, rein deskriptive Whitepaper nicht. Stattdessen sind Berater gefragt, die als Vordenker den notwendigen Mindset-Shift anstoĂen.
Drei Tricks von McKinsey, um Ihr eigenes Thought Leadership zu optimieren
Diskutiere ich mit #MBS-Klienten ihr Studienmarketing und das nÀchste Thought Leadership-Projekt, höre ich oft:
âABER das Knowledge-Team von McKinsey ist riesig. Diese Hundertschaften weltweit, die Studien schreiben, kann ich nicht schlagen.â
Ja, einverstanden: McKinsey hat fĂŒr Studien mehr âPS on the groundâ als wahrscheinlich die Top 10 der LĂŒnendonk-Liste zusammen â und erst recht mehr als jede Beratungsboutique.
ABER die Kommunikationsmuster in âWachstumswende Deutschlandâ sind nicht exklusiv fĂŒr groĂe Beratungsfirmen reserviert â jeder kann sie anwenden. Sie auch!
Wie Sie McKinseys-Erfolgsstrategien fĂŒr sich nutzen:
1. VerstÀndliche Sprache, aber bitte keine Wortwiederholungen, bis der Arzt kommt
Fachjargon fĂŒhrt zu MissverstĂ€ndnissen. Auch komplexe Inhalte mĂŒssen durch verstĂ€ndliche Sprache so aufbereitet werden, dass ein breites Publikum sie versteht.
Aber ein bisschen Abwechslung statt Wortwiederholungen bis der Arzt kommt, darf es schon sein.
So verwendet eine aktuelle Studie â ebenfalls zum Wirtschaftsstandort Deutschland â einer anderen groĂen Strategieberatung 610 Mal das Wort âTransformationâ in 13 verschiedenen Substantivformen.
Sicher gut fĂŒr das SEO-Ranking. Aber ob Leser bis zur letzten Seite âdurchhaltenâ, weiĂ ich nicht.
2. Emotionalisierung, Wir-GefĂŒhl und Storytelling
In bester Storytelling-Manier bedient sich McKinsey der Musketier-Saga und textet den Sub-Header âAlle fĂŒr Aufstieg und Aufstieg fĂŒr alle.â Es reicht eben nicht aus, nur Fakten zu prĂ€sentieren.
Thought Leadership, das Brand Love erzeugen soll, hat heute immer auch eine emotionale Komponente.
3. Narrative Visualisierungen
Balkendiagramme in Markenfarben sind das âplain vanillaâ des Consulting; sprich fesseln nicht und differenzieren schon gar nicht. Berater sollten stattdessen auf interaktive Infografiken und narrative Visualisierungen setzen. Diese sind nicht nur leichter verstĂ€ndlich, sondern auch motivierender und inspirierender.
Sieben Hacks fĂŒr exzellente Berater-Studien finden Sie hier:
=> „Thought Leadership: CEOs geben Studien nur 60 Sekunden Zeit!„
Fazit: Berater als SchlĂŒsselfiguren der Wachstumswende
Die McKinsey-Studie âWachstumswende Deutschlandâ verdeutlicht: Die Herausforderungen sind groĂ, aber mit der richtigen Kombination aus âShift und Liftâ, strategischen Narrativen und einem tiefgreifenden MentalitĂ€tswandel ist die Transformation machbar.
Berater ĂŒbernehmen dabei eine SchlĂŒsselrolle â nicht nur als Strategen, sondern als Architekten dieser ZukunftserzĂ€hlung. In ihrer Kommunikation, sei es in Studien, PR oder auf LinkedIn, beweisen sie: Doomsday-Rhetorik ist das Gegenteil eines Dopamin-Kicks – und deshalb out.
CEOs von heute erwarten keine bloĂen Problemlöser, sondern Vordenker, die visionĂ€r und strategisch agieren. Daher sollten Consultants nicht nur ĂŒber Transformation sprechen, sondern sie aktiv mitgestalten.
Wer Mut macht, gestaltet Zukunft. Wer ein starkes Narrativ etabliert, fĂŒhrt.
Wenn Sie eine Beratung sind, die sich noch erfolgreicher positionieren möchte, finden Sie hier Informationen, wie wir Sie unterstĂŒtzen können:
Markenpositionierung von Beratungsunternehmen: End-to-end
Autorin: Susanne Mathony

Die Positionierung von Marken und Menschen sind meine Leidenschaft. Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebe ich mit CEO-Positionierung, strategischer Marketing- und Kommunikationsberatung, PR und Business Storytelling meine Berufung aus.
Hinzugekommen ist 2014 die Social Media-Beratung. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem #SocialCEO sowie dem Personal Branding und -Positioning von VorstĂ€nden und Teams auf LinkedIn.Meine Heimat ist Professional Services. Auf GSA- und EMEA-Ebene arbeitete ich u.a. fĂŒr AlixPartners, Andersen Consulting (heute Accenture), Strategy& sowie Russell Reynolds Associates.
Als Politologin und ausgebildete Journalistin startete ich meine Karriere in einem Think Tank in Washington D.C..
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