Personal Branding in der Modeindustrie: Der Charme der persönlichen Präsentation

3. Juli 2020

J.W. Anderson presents digital its collection summer 2021.
Designer J.W. Anderson präsentiert digital seine Menswear Kollektion für Sommer 2021.

Beitrag von Barbara Markert, Partnerin Mathony Brand Strategists

Die Modeindustrie hat seit dem Beginn der Pandemie im Schnellverfahren einen Digitalisierungsschub hingelegt. In digitalen Showrooms wurde in den vergangenen Wochen der Presse die kommende Winterkollektion vorgestellt.

London zeigte als erste der vier traditionellen Fashionweek-Standorte eine digitale Modewoche. Nun steht Paris als nächste Station in den Startlöchern für die Haute Couture und die Präsentation der Herrenkollektionen Sommer 2021– direkt gefolgt von Mailand.

Obwohl es zu früh ist, eine Bilanz zu ziehen, was digital funktioniert und was nicht, so zeichnet sich dennoch ein Trend bereits ab:
Die persönliche Ansprache bzw. der humane Touch punkten.

Eine der besten Showroom-Präsentationen, die ich gesehen habe, war die Präsentation der Pariser PR-Agentur Station Service.

Dort führte eine eingeladene Stylistin mit französischem Charme ihre Lieblingsstücke aus dem Showroom vor (zu sehen auf Instagram) und zeigte auch gleich, wie man die Teile stylisch trägt oder kombiniert.

Überzeugend war auch die Vorstellung des britischen Stardesigners J.W. Anderson. Dieser präsentierte seine neue Sommerkollektion in einem viertelstündigen Video (wie bei einer echten Fashionshow) anhand einer lustigen Bastel-Mappe aus Papier, die ein Sammelsurium an gezeichneten Outfits,  Gesichtsmasken sowie getrockneten und gepressten Gartenblumen enthielt.

Auch wenn Anderson dabei nicht ein einziges Mal in die Kamera blickte, war es sympathisch zuzusehen, wie er seine eigene Kollektion-Mappe auseinanderfaltete.

Die Präsentation wurde vielfach gelobt. Warum?

Die Marke bekommt ein Gesicht. Da agieren Menschen hinter den Produkten. Genau das wollen heute Konsumenten sehen. In einer Zeit der sozialen Distanz, mit der wir auch weiterhin leben müssen, wird der humane Faktor zum Marketinginstrument. Und in Folge auch das „personal branding“ der Führungskräfte immer wichtiger.