Was Berater von Rapper Bushido und Egon Zehnder lernen können

Die #BeraterBeraterin

Pressure is your privilege: Warum Klarheit jetzt zum entscheidenden Führungsfaktor wird

10. Juni 2026

„Pressure is your privilege.“ Der Satz klingt nach Hochleistungssport. Nach Menschen, die sich bewusst für Druck entscheiden.

Für Consulting-CEOs fühlt sich das anders an. Druck ist kein Moment, sondern Dauerzustand: in zähen Fee-Diskussionen, in Pitches mit wachsendem Aufwand und sinkender Marge, in Partnerteams, die gleichzeitig wachsen, transformieren und Kosten disziplinieren sollen. Und in KI-Investitionen, die beeindrucken – aber noch nicht beantworten, wofür Beratung künftig wirklich gebraucht wird.

Der entscheidende Punkt ist: Dieser Druck ist nicht das Problem. Er legt offen, wo Entscheidungen fehlen.

Denn die zentrale Frage lautet nicht: Wie reduzieren wir Druck?
Sondern: Welche Entscheidungen treffen wir unter Druck? Welche vermeiden wir?

Warum Mindset kein „weicher Faktor“ ist

Genau hier setzt eine einfache, aber unbequeme Logik an: „Erfolg = Talent × Training × Mindset“.

Talent und Training sind in Top-Beratungen reichlich vorhanden. Aber sie erklären nicht, warum manche Häuser in vergleichbaren Märkten deutlich klarer positioniert sind, während andere austauschbar bleiben.

Der Unterschied liegt im dritten Faktor: Mindset. Nicht als abstrakt-intellektuelles Konzept, sondern als konkrete Entscheidungslogik von Führung.

Diese Zusammenhänge beschreibt das gleichnamige Buch, das ich in den letzten zwölf Monaten parallel zu meiner Arbeit als #BeraterBeraterin mit Olympionike und Top-Manager Dr. Michael Ilgner mitkonzipiert und redaktionell begleitet habe. Es ist am 3. Juni bei Wiley erschienen.

Die teuerste KI-Roadmap ersetzt keine Klarheit

Beschreiben mir Consulting-CEOs ihre Agenda 2026, klingt das überzeugend: neue Services, Produktivitätsgewinne, stärkere Positionierung. Ich spüre den Anspruch, das eigene Haus zukunftsfähig aufzustellen.

Was dabei noch zu oft fehlt, ist die Frage nach den Konsequenzen:

  • Welche Services geben wir bewusst auf?
  • Welche Klienten passen nicht mehr zur eigenen Ambition?
  • Welche Partnerprofile werden künftig nicht mehr erfolgreich sein?

Ohne diese Entscheidungen bleibt Transformation ein Add-on zum Bestehenden. Darin liegt das Risiko. Wer nicht bereit ist, sich selbst zu kannibalisieren, wird von der Technologie gefressen“,  schreiben Dietmar Fink und Bianka Knoblach im Beraterranking. Ihre Warnung: Stellen Beratungen ihr Geschäftsmodell nicht selbst in Frage, entscheiden irgendwann die Klienten – und zwar für Palantir statt McKinsey.
Gleichzeitig beschreibt das Handelsblatt ein Marktumfeld, in dem die Branche 2025 nur noch um 0,5 Prozent zulegte.

Kurzum: KI macht Beratung nicht automatisch relevanter. Sie macht austauschbare Beratung noch schneller austauschbar. Wer hingegen sein Mindset schärft, hat genau hier einen Vorsprung.

Drei Muster, die Wachstum bremsen

In der Arbeit mit Consulting-CEOs und Partnerteams sehe ich drei Muster, die sich erstaunlich oft wiederholen.

1. Exzellente Delivery, aber keine klare Zukunftspositionierung

Viele Beratungen erklären in jedem Pitch glasklar, was sie tun. Deutlich weniger können in einem Satz sagen, wofür sie stehen. Das Ergebnis: exzellente Einzelauftritte ohne klare Zukunftserzählung – und eine Marke, die im Zweifel weniger unterscheidbar wirkt, als sie es verdient hätte.

    Um diese Lücke ging es bereits in meiner Kolumne „Mind your mindset: Warum Consultants an ihrer Zukunftserzählung arbeiten sollten“.

    2. Absicherungsvokabular, das keine Richtung erzeugt

    Wird es eng, kippt Führungssprache schnell in Absicherungsvokabular: Stabilisierung, Effizienz, Priorisierung, Resilienz. Alles legitim. Nur entsteht aus defensiver Sprache selten ein Ambitionsniveau, dem Top-Talente, Klienten oder Partner mit Überzeugung folgen.

    Führung braucht in anspruchsvollen Phasen nicht mehr Pathos. Sie braucht präzisere Begriffe für das, was gemeinsam erreicht werden soll.

    In meiner Analyse „Doomsday-Rhetorik adé: Warum es jetzt Klartext brauchthabe ich diese Muster beschrieben: Wer nur Risiken dramatisch ausmalt, aber keine klare Haltung und Sprache für Lösungen findet, wird nicht zum Nordstern für seine Klienten.

    3. Ein Führungsverständnis, das nie bewusst entschieden wurde

    Viele Führungspersönlichkeiten haben ein implizites Führungsverständnis. Es speist sich aus Biografie, Beratungsschule, Partnerlogik, Erfolgen und früheren Krisen. Doch was sich nur ergibt, bleibt oft reaktiv. Reaktiv geführte Häuser erkennt man daran, dass sie auf jeden Markt reagieren, aber keinen prägen. Das Gute daran: Solche Muster lassen sich verändern, sobald man sie sichtbar macht.

    Drei Eingriffe, die das Führungsbetriebssystem schärfen

    Mindset-Arbeit klingt schnell nach teurem Großprojekt, letzter Agendapunkt im Partner-Retreat oder 1-1-Coaching. In der Praxis sind es oft wenige, konsequente Schritte, die einen spürbaren Unterschied machen.

    Drei haben sich in meiner Arbeit mit Consulting-CEOs bewährt.

    1. Schritt eins: Die eigene Zukunftserzählung testen

    Ein Satz genügt: „In drei Jahren ist meine Beratung das Haus, das ___ besser kann als jeder Wettbewerber.“

    Wer die Lücke mit „führend“, „ganzheitlich“ oder „Transformation“ füllt, hat sie nicht gefüllt. Diese Wörter sind Platzhalter für ein Narrativ, das noch nicht existiert. Genau hier beginnt Mindset-Arbeit. Denn dieser Satz macht sichtbar, was Sie wirklich glauben: über Ihr Haus, Ihre Ambition, Ihre Rolle im Markt und den Preis, den Sie für Differenzierung zu zahlen bereit sind.

    Mein Rat: Lassen Sie diesen Satz von einem internen Sparringspartner – etwa CHRO oder CFO – und einer externen Stimme bewusst zerlegen. Mit der ausdrücklichen Bitte, nicht zu schonen, sondern zu schärfen. Es ist verblüffend, wie schnell aus einer wachsweichen Diskussion über Positionierung eine über kristallklaren Führungsanspruch wird.

    2. Schritt zwei: Ein bewusstes Mindset-Vokabular entwickeln

    Definieren Sie fünf bis sieben Begriffe, die Ihr Führungs-Mindset wirklich beschreiben. Nicht die, die gut klingen oder auf LinkedIn für ein paar Sympathie-Likes bringen. Sondern die, die stimmen. Beispiele aus aktuellen Mandaten sind: Klarheit. Ambition. Zumutung. Tempo. Verantwortung. Vertrauen.

    Diese Begriffe gehören nicht in einen Workshop-Ordner. Sie gehören in Ihre Alltagssprache. Wer konsequent dasselbe Vokabular nutzt, wird im besten Sinne „berechenbar“. Wer es je nach Publikum wechselt, verliert Glaubwürdigkeit schneller, als jede Kampagne sie wieder aufbauen kann.

    3. Schritt drei: Narrativ-Arbeit professionalisieren

    Jede Rede, jedes Interview und jedes Offsite als Einzelprojekt zu behandeln, ist Ressourcenverschwendung. Wer sein Führungsbetriebssystem ernst nimmt, gibt ihm einen festen Ort. Entscheidend ist nicht das Format, ob Executive Coaching, Narrativ-Arbeit oder Thought-Leadership-Architektur. Entscheidend ist, dass strategische Positionierung, Führungsmindset und Kommunikation zentral zusammenlaufen – und nicht als drei getrennte Baustellen, von denen jede für sich gut gemeint aber in Summe wirkungslos bleibt.

    Wie wirkmächtig bewusst gebaute Narrative sein können, habe ich in „If they go wild, we go cool: Die Kraft starker Narrative“ beschrieben. Wenn Märkte, Medien oder Wettbewerber nur noch auf maximale Reizsetzung setzen, stellt sich die Frage: Sollen wir mitmachen im neuen Unterhaltungszirkus? Welche Themen sollen wir bespielen, wenn Flachheit das neue sexy ist?
    Die Antwort: Es gewinnen die mit einer klaren, ruhigen Erzählung.

    Pressure is your privilege – neu gedacht

    „Pressure is your privilege“ heißt für Consulting-CEOs nicht, mehr Belastung auszuhalten. Es heißt, Entscheidungen zu treffen, die andere vermeiden.

    Druck zwingt zur Klarheit. Und genau darin liegt der Unterschied zwischen Beratungen, die reagieren – und solchen, die Richtung geben. Das ist kein weiches Thema. Es ist eine der zentralen Stellschrauben ihrer Wettbewerbsfähigkeit.

    Denn am Ende entscheidet nicht der Druck über den Erfolg. Sondern das, was man bereit ist, unter Druck klar zu entscheiden.

    Sie sind eine Beratung, die sich noch erfolgreicher positionieren möchte? Lesen Sie hier, wie ich Sie unterstützen kann:
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    Eva Manger-Wiemann (Cardea AG) und Susane Mathony (Mathony Brand Strategists)
    Eva Manger-Wiemann (Cardea AG) und Susanne Mathony (Mathony Brand Strategists)

    Autorin: Susanne Mathony

    Susanne Mathony

    Die Positionierung von Marken und Menschen sind meine Leidenschaft. Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebe ich mit CEO-Positionierung, strategischer Marketing- und Kommunikationsberatung, PR und Business Storytelling meine Berufung aus.
    Hinzugekommen ist 2014 die Social Media-Beratung. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem #SocialCEO sowie dem Personal Branding und -Positioning von Vorständen und Teams auf LinkedIn.Meine Heimat ist Professional Services. Auf GSA- und EMEA-Ebene arbeitete ich u.a. für AlixPartners, Andersen Consulting (heute Accenture), Strategy& sowie Russell Reynolds Associates.
    Als Politologin und ausgebildete Journalistin startete ich meine Karriere in einem Think Tank in Washington D.C..


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