Sichtbarkeit als Karrierebooster fĂŒr Frauen im Consulting

5 Tipps zur erfolgreichen Positionierung

Sichtbarkeit als Karrierebooster fĂŒr Frauen im Consulting

11. Oktober 2021

„Sichtbarkeit als Karrierebooster fĂŒr Frauen im Consulting“

(Gastbeitrag im Branchen-Magazin junior//consultant)

Fragt man mich, was ich tue, antworte ich: Reputationsbodyguard!
Ich baue Menschen als starke Marke auf und beschĂŒtze sie und ihren Ruf. Seit mehr als zwei Jahrzehnten mache ich das mit Leidenschaft vor allem im Professional Services. SpĂ€testens als ein Partner bei Andersen Consulting – heute Accenture – mir ein hochkomplexes Problem auf einer Serviette in der Kantine simplifizierte, ist die Branche meine Heimat.

Bislang waren es primĂ€r MĂ€nner, die mich bei Interviews, dem WEF oder fĂŒr ihr Personal Branding auf LinkedIn an ihrer Seite wissen wollten. MĂ€nner, weil die Country Manager oder Practice Leads meistens MĂ€nner waren/sind.

Frauen an der Spitze waren nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Das Àndert sich zunehmend.

Gender-ParitÀt: Die gibt es in der Beratungswelt noch nicht

Laut BDU stellen Frauen zwar 43% der Juniorberater, aber nur 19% der Leitungsfunktionen. Die WGMB nimmt fĂŒr die Top-Beratungen sogar nur 15% Frauen auf der Top-Ebene an.

Weder bei McKinsey, noch BCG oder Bain ist bislang eine Frau global CEO. Bei Accenture dagegen lenken gleich zwei Frauen die Geschicke: Julie Sweet als global CEO und Christina Raab als neue DACH-Chefin.

Warum ist der Karriereweg von Frauen im Consulting kein SelbstlÀufer?

Als Frau mit Ambitionen beschÀftigt es mich doppelt:
Warum gibt es so wenig Frauen an der Spitze?

LĂ€nger als ein Jahrzehnt war das eine meiner Hauptfragen im EMEA-Appraisal Committee von Booz, heute Strategy&. NatĂŒrlich, eine 70-Stunden-Woche verkompliziert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dennoch ist es multifaktoriell. Als wir Mercer beauftragten, 3.000 Appraisals nach GrĂŒnden zu durchforsten, kam u.a. heraus: Festgefahrene Rollenmuster, Selbstzweifel bis hin zum Impostor-Syndrom oder geringeres Networking.

Gebe ich heute Female Empowerment-Workshops im Consulting, erlebe ich darĂŒber hinaus Aspekte wie:

  • Perfektionismus
  • Besorgnis, auf das Äußere reduziert zu werden
  • Das „Women don’t ask“-PhĂ€nomen; d.h. die ZurĂŒckhaltung im Glauben, die Projektarbeit sprĂ€che fĂŒr sich.

Vier Trends, die sich zugunsten von Frauen im Professional Services auswirken können

  1. Die massive BeraterlĂŒcke: Addiert wollen die Top Ten der Consultants und WirtschaftsprĂŒfungen 27.000 Stellen besetzen. Aber: Laut Trendence haben die Großen der Branche an Ansehen verloren. Wer sein Wachstum nicht gefĂ€hrden will, kann sich jedoch dem grĂ¶ĂŸten Talentpool der Welt – Frauen – nicht verschließen.
  2. Immer mehr Klienten pochen auf gemischte Teams; d.h. Berater können weder wichtige Pitches ohne starke Frauen gewinnen, noch LanglĂ€ufer-Projekte ohne diese fĂŒhren.
    Laut Source Global sind fĂŒr 72% der Klienten auf C-Level Gender-balancierte Teams fĂŒr die Beauftragung von Consultants entscheidend.
  3. Die Pandemie hat das Arbeitszeitmodell 5/4/3 ausgehebelt. Der Erfolg von #remotework macht hybride Arbeitsformen zum #nextnormal.
  4. Die Klimakrise kommt auch im Professional Services an. „Bis zu 60% weniger: Beraterfirmen verzichten nach Corona auf viele Dienstreisen“, titelt das Handelsblatt. Danach wollen etwa McKinsey und BCG ihre Dienstreisen bis zu 30% bis 2025 senken. Roland Berger sogar um 40% bis 2028.

Zusammengenommen spielt dieses alles in die HĂ€nde von Frauen. Ihre Chancen sollten sich also verbessern!

Wer nach oben will, fĂŒr den ist Sichtbarkeit unverzichtbar

„Wer nicht redet, wird nicht gehört!“ – sagte Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Gehört werden und Karriere korrelieren also. Hier ist die eigene Sichtbarkeit ein wichtiger Hebel, den Frauen selbst in der Hand haben.

Diese Sichtbarkeit hat nichts mit Eitelkeit zu tun: Sie hilft in der internen wie externen Positionierung. Und beim New Business! Wieso? 41% der Visible Experts verzeichnen Umsatzsteigerungen und NeugeschÀft.

In meinen Mandaten treffe ich Beraterinnen, die skeptisch sind, ob sie ein ‚Visible Expert‘ werden sollten, also eine Expertin mit hohem Bekanntheitsgrad und einem ĂŒberzeugenden Ruf fĂŒr spezifisches Fachwissen.

Aber: Hinge Marketing belegt messbare Returns fĂŒr individuelle Sichtbarkeit. Danach sagen 46%, ihr eigenes ‚Gesicht zeigen‘ habe auf ihre Personal Brand eingezahlt. 38%, es habe ihre GlaubwĂŒrdigkeit erhöht und Reputation gestĂ€rkt.

5 Tipps zur wirksamen Sichtbarkeit fĂŒr die erfolgreiche Karriere im Professional Services

1. „Umparken im Kopf“ als erster wichtiger Schritt

BelĂ©n Garijo, die erste weibliche CEO im DAX30, fordert „Ab und zu muss man die Hand heben und Verantwortung ĂŒbernehmen.“ Frauen sollten ihre Ambitionen offen zeigen. Besonders junge Frauen ‚wĂŒrden sich hĂ€ufig viel zu klein machen.‘

Dies ist auch eine Einladung an Beraterinnen, die eigene ‚Hand zu heben‘ – beim Appraisal, beim wichtigen Projekt oder der Mentorenwahl.

Noch bedeutet dies #ChoosetoChallenge.

Denn laut einer Kearney-Studie haben Frauen weiter zwei Barrieren im Kopf:

  1. 66% der Frauen glauben, dass erfolgreiche Frauen weniger ihre weiblichen Charakteristika zeigen.
  2. 85% passen ihr Verhalten im Job an, um weniger weiblich zu wirken.

Wenn ich auf erfolgreiche Frauen – und meine eigene Historie – blicke, sage ich:
Wagen Sie (mehr) Weiblichkeit. SchĂŒtteln Sie Ihr mögliches Impostor-Syndrom ab. SchĂ€tzen Sie AuthentizitĂ€t als Kraftquelle.

2. Werden Sie zur unverwechselbaren Marke

Professional Services wird immer mehr zur Commodity. Letztlich gilt das auch fĂŒr Berater*innen. Da hilft nur eines: Werden Sie schon frĂŒh zur Marke! Seien Sie das unverwechselbare Gesicht, das wichtige Stakeholder inhouse wie exhouse wahrnehmen.

Wichtig dabei: Suchen Sie sich die richtige Themen und wissen um den ‚unconcious bias‘.
Laut „Von Star-GrĂŒnderinnen und Quotenfrauen“ dominieren noch stereotyp weibliche – ‚weiche‘ – Themen in deutschen Leitmedien: 6x so hĂ€ufig wie MĂ€nner werden Managerinnen als Privatperson angesprochen. In jedem 4. Interview wird das Geschlecht der GesprĂ€chspartnerin thematisiert. Bei MĂ€nnern ist es nur jeder 100. MĂ€nnlich konnotierte FĂŒhrungseigenschaften, wie taktisch oder selbstsicher, bewerten Journalist*innen bei Managerinnen besonders kritisch.

Den von mir betreuten Beraterinnen rate ich: Seien Sie sich des Bias bewusst. Lassen Sie sich nicht (oder nur wohldosiert) auf stereotype ‚Frauenthemen‘ ein. Bestimmen Sie Ihr eigenes Narrativ. Vereinfacht formuliert: Nicht das Interview zu ‚Women in Consulting‘ macht Sie zur Marke. Eine klare Meinung zu Zukunftsthemen schon. Als Leuchtturm-Beispiele seien hier Verena Pausder – Digitalisierung und Bildung – oder Marie-Christine Ostermann – Unternehmertum – genannt. FĂŒr die Branche ist es etwa Angelika Huber-Straßer, Managing Partner und RegionalvorstĂ€ndin SĂŒd der KPMG in Deutschland mit dem spannenden Themenmix aus CEO-Agenda, Automotive, Nachhaltigkeit und Female Leadership.

ThemenprÀsenz Top-Managerin deutsche Medien
SichtbarkeitslĂŒcke: Nur 16 Artikel zum Zukunftsthema Digitalisierung von Top-Managerinnen!

3. Pflegen Sie Ihr Personal Branding auf LinkedIn

Menschen folgen Menschen. Daher fĂŒhrt der Weg zur Spitze auch ĂŒber ein Social Me auf LinkedIn. Matthias Tauber (BCG) macht es. Martin Eisenhut (Kearney) macht es. Warum nicht auch Sie? So positionieren Sie sich nicht als abstrakte Marke, sondern als Mensch und ‚Beraterin of choice‘.

Auch eine Nicht-PrĂ€senz auf LinkedIn ist eine Aussage. Und sei es nur gegenĂŒber der Einkaufsabteilung oder dem Unternehmen, in dem Sie ein großes Projekt leiten.

Also nehmen Sie Ihr Personal Branding in die Hand. Vielleicht ja auch mit Hilfe von modernem Storytelling. FĂŒr den Start langt es, tĂ€glich 20 Minuten in Ihr LinkedIn-Positioning zu investieren. Dabei gezielt andere Frauen zu taggen, um Reichweiten zu teilen und zu erhöhen, ist gelebte KommunikationssolidaritĂ€t.

4. Nutzen Sie PR und Thought Leadership zum gezielten Eigenmarketing

Auch die klassischen KommunikationskanÀle wie PR gilt es zu bespielen.
Egal ob DAX-Konzern oder Professional Services-Player: Alle mĂŒssen Themen besetzen und erstellen dazu Studien und Presse-Statements. Hier ist es nur opportun, wenn Frauen Sichtbarkeit anstreben.

Noch erhalten laut Unicepta Top-Managerinnen in Deutschland nur ein Viertel der gesamten Mediencoverage. MĂ€nner hingegen drei Viertel. Dabei sind Frauen mit einem anderen Themenset prĂ€sent. Zentrale Zukunftsthemen – etwa Digitalisierung – landen abgeschlagen. Hier existieren genau 16 aus insgesamt 2.222 Artikeln. Das langt nur fĂŒr Rang 27.

Smarte Beraterinnen besetzen zukunftsrelevante Themen. Gehen Sie auch auf Panels. Veranstalter können sich keine ‚manels‘ – also Veranstaltungen mit ausschließlich mĂ€nnlichen Sprechern – mehr leisten.

5. Vernetzen Sie sich. Und: Lassen Sie sich coachen

Beraterinnen, die ob dieser Sichtbarkeitsagenda schlucken, rate ich: Machen Sie es wie Ihre mĂ€nnlichen Kollegen. Holen Sie sich kompetente UnterstĂŒtzung fĂŒr das, was Sie (noch) nicht perfekt können. Gerade MĂ€nner sind exzellent im Vernetzen und im Einsatz externer Experten. Das können Frauen noch intensiver nutzen.

Sowie last but not least:
Denken Sie an das #strongertogether-Momentum! Jede erfolgreiche, sichtbare Beraterin ist ein Vorbild, die mit anderen ihre Erfahrungen teilt. So ziehen sie nicht nur weitere weibliche Talente mit nach oben, sondern agieren als Mentorin und Leuchtturm.


Autorin: Susanne Mathony

Susanne Mathony
Susanne Mathony

Die Positionierung von Marken und Menschen sind meine Leidenschaft. Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebe ich mit strategischer Marketing- und Kommunikationsberatung, CEO-Positionierung, PR, Thought Leadership und Storytelling meine Berufung aus. Hinzugekommen ist 2014 die Social Media-Beratung mit dem Schwerpunkt Personal Branding und -Positioning von VorstĂ€nden und Teams auf LinkedIn. Meine Heimat ist Professional Services. Auf EMEA- und globaler Ebene arbeitete ich u.a. fĂŒr Andersen Consulting (heute Accenture), Strategy &, Russell Reynolds Associates sowie AlixPartners. Als ausgebildete Journalistin und Politologin startete ich meine Karriere in einem Think Tank in Washington D.C..


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