Vom „Dress to impress“ zu „Dress to express“

10. September 2020

Businesslook damals und heute

Beitrag von Barbara Markert, Partnerin Mathony Brand Strategists

Ich möchte für meine Diplome und nicht für mein Geschlecht im Job anerkannt werden.

Zuhause habe ich einen Schrank voll High Heels. Aber im Büro würde ich diese nie tragen. Da sähe nicht professionell aus.“

Die Optik hat nichts mit Karriere zu tun.

Das sind Aussagen deutscher Geschäftsfrauen. Sie spiegeln eine Meinung wider, die weit verbreitet ist und sich quer durch alle Branchen zieht. Egal ob Banking, Unternehmensberatung oder Industrie.

Gibt man bei Suchmaschinen den Begriff ‚Businesslook‘ ein, so spuckt etwa Google fünf Millionen Treffer aus. Ein kurzer Blick auf ‚images‘ genügt, um zu sehen: Der Inhalt wiederholt sich endlos. Das typische Büro-Outfit hat sich seit den 1980ern, als Melanie Griffith im Film „Working Girl“ eine engagierte Jungmanagerin in der von Männern dominierten Finanzwelt New Yorks mimte, kaum geändert.

Working Girl, Job-Komödie aus dem Jahr 1988 mit Melanie Griffith (Mitte) in der Hauptrolle.

Eine Kombination aus weißer Bluse mit schwarzen oder grauen Hosenanzug – am besten mit tailliertem, kurzen Blazer – gilt als Gold-Standard. Alternativen sind ein enger Pencilskirt, Länge bis zum Knie, oder ein figurbetontes Etui-Kleid – beides ebenfalls am besten in Schwarz, Grau, Dunkelblau oder Beige.

Bis heute orientieren sich diese Outfits stark an der Geschäftsmode für Männer, kopieren Stil-Elemente und Farben des Business-Anzugs. Das einzige Zugeständnis an die weibliche Figur: gewisse Abnäher hier und da.

Früher umschrieb man solche Looks mit „dress to impress“  oder „dress for success“.

Doch diese Bezeichnungen werfen Fragen auf:

  • Wen wollen wir damit beeindrucken?
  • Führt ein Hosenanzug im Job wirklich zum Erfolg?
  • Wir sprechen von Frauen-Power und orientieren uns im Anziehstil an Männern?
  • Wir loben den Individualismus, aber tragen eine Uniform?
  • Wir wollen erkennbar sein, uns eine Position erkämpfen, aber sind optisch nicht von einander unterscheidbar?

Meinen wir das ernst?

Stilratgeber, die diese Outfits empfehlen, gibt es wie Sand am Meer. Gleiches gilt für Farb-Psychologen, die uns bestätigen, dass Grau- und Blautöne Vertrauen ausstrahlen, als konservativ und vor allem professionell wahrgenommen werden.

Ob diese Businesslooks uns stehen, also ob wir darin gut aussehen, scheint unerheblich zu sein.

Genauso wenig kümmert es die Stilexperten, ob sich unsere Figur für enge Pencilskirts und taillierte kurze Blazer eignet. Oder ob der taillierte, kurze Blazer gerade in Mode ist oder einfach nur „démodé“.

Sollten wir uns beim Blick in den Spiegel nicht eher fragen:

  • Ziehe ich mich an, um damit die Erwartungen des Unternehmens / Kollegen / Männer zu erfüllen? Oder um das Beste aus meinem Typ zu machen und mich wohl in meiner Haut zu fühlen?
  • Ist der Businesslook, den ich trage, eine notwendige Uniform oder nur eine bequeme Ausrede? Weil ich unsicher bin, was mir am besten steht und wie ich das Beste aus meinem Typ mache.

Seien wir ehrlich:

Dress to impress – das war mal. In Zeiten von Female Empowerment sollte die Regel lauten: Dress to express!

Wie das gelingt, erklären wir Ihnen gerne.

Einige Informationen zu mir:

Seit rund 25 Jahren berichte ich über Mode – als Wirtschaftsjournalistin für die Publikums- und Fachpresse wie auch als Content-Creatorin für Mode- und Accessoires-Brands. In meinem Leben habe ich rund 5000 Modeschauen auf den internationalen Fashionweeks besucht. Als Wahl-Pariserin sitze ich an der Quelle der Trends und präsentiere diese Branche mit Leidenschaft und wirksamem Storytelling.
Ich weiß um die aktuellen Topthemen und Herausforderungen dieser Industrie, wie Digitalisierung, Diversity & Inclusion, Gen-Z-Ansprache oder Nachhaltigkeit. Seit Jahren setze ich mich für einen bewussteren und besseren Modekonsum ein.